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Wir wollen unseren Platz zurück!

Cafe Telschow, vor 1965

Der Breitenbachplatz war einmal ein Anziehungspunkt im Südwesten Berlins. Zur Zeit der Fliederblüte kamen Besucher von nah und fern, andere kamen – und kommen nach wie vor – wegen der Geschäfte und der gastronomischen Angebote. Doch der Platz hat sich verändert, und das nicht zu seinem Vorteil. Er wurde verändert, aber niemand ist mit dem derzeitigen Zustand zufrieden. Der Platz wird kaum als Platz genutzt, sondern ist nicht mehr als eine große Verkehrsinsel. Außer einem sonntäglichen Textil- und Kinderflohmarkt gibt es dort keine Events. Das liegt nicht nur an der verunglückten Neugestaltung der letzten Jahre, sondern vor allem daran, dass die Betonmassen des Autobahnzubringers dem Platz jeden Charme und damit die Aufenthaltsqualität rauben.

Muss das so bleiben? Nein, sagen immer mehr Anwohner des Platzes und seiner Umgebung. Und so ist eine Bürgerinitiative entstanden, die von rund 180 Bürgern, darunter 25 Aktiven, unterstützt wird. Keine Frage, die Brücke, Teil einer nie vollendeten überörtlichen Verkehrsplanung, muss weg. Davon haben wir mittlerweile alle Parteien außer der AfD überzeugen können. Im Juni 2019 hat das Abgeordnetenhaus einen entsprechenden Beschluss gefasst, nachdem bereits die Bezirksverordneten von Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf einstimmig einen „perspektivischen Rückbau“ verlangt haben. Erreicht werden soll, dass der überörtliche Verkehr statt der Schildhornstraße die A 100 und den Abzweig über das Schöneberger Kreuz nutzt. Der Abzweig Schmargendorf von der A 100 aus Richtung Dreieck Funkturm sollte eventuell sogar ganz geschlossen werden.

Die einzige Autobahn, die unmittelbar in eine Tempo-30-Zone übergeht

Wir haben aber auch Nahziele. Der erste Schritt wäre leicht zu realisieren, wenn die Politik nur wollte: Rund um den Platz und an der gesamten Schildhornstraße Tempo 30 anzuordnen. Dann kann man es auch vertreten, wenn Zugänge von den Seiten des Platzes geöffnet werden. So würde der Platz zum Mittelpunkt und nicht nur zum Anhängsel eines U-Bahn-Zugangs. Die Fahrbahnen könnten auf je eine pro Seite reduziert werden, so dass Platz für eine Fahrradspur auf der Fahrbahn wäre, wie es sie auf dem Südwestkorso und der Englerallee bereits gibt. Am südwestlichen Ende des Platzes ist ein Zebrastreifen zur Sicherheit der Fußgänger nötig – so immerhin beschlossen von der BVV Steglitz-Zehlendorf.

Wir wollen eine Korrektur der letzten, 2011 abgeschlossenen gärtnerischen Veränderungen. Der Spielplatz gehört an eine ruhigere Stelle. Statt Flächen mit Strauchwerk unzugänglich zu machen, könnte hier zum Beispiel wieder Flieder angepflanzt werden und der bestehende besser gepflegt werden. Es gibt die Idee, einen Boule-Platz anzulegen und damit mediterranes Flair zu schaffen.

Als der Platz am 26. August 1913 nach dem Minister Paul Justin Breitenbach benannt und gleichzeitig die von ihm geförderte U-Bahn-Linie eröffnet wurde, wurde der Platz bewusst als Tor zu Dahlem geplant. Rund um den Platz zeigten, bis die Nazis die weitere Entwicklung stoppten, namhafte Architekten der Moderne, wie man einen Platz menschengerecht planen kann. Breitenbachplatz, Schorlemerallee, Künstlerkolonie: Sie sind ein Stück Kulturerbe, das es zu schützen gilt.

Wir verstehen uns aber auch als bezirksübergreifende Kiezinitiative für alle, die im Umkreis des Platzes wohnen und treten dafür ein, dass die Wohnstraßen von Umgehungsverkehr verschont werden. Wir wollen, dass die Spilstraße nur noch für Anlieger offen bleiben soll, die Brentanostraße zur Spielstraße deklariert und die Buggestraße zur Englerallee hin geschlossen wird.

Hier sehen Sie, wie sich der Platz verändert hat:

Breitenbachplatz, Dezember 1953
Breitenbachplatz, September 2020
Der Breitenbachplatz, wie er 1953 aussah – und 2020 (Bildquelle: Google Earth)